Zum Inhalt

Hinweis: Diese Inhalte wurden mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell überprüft (Transparenzhinweis gemäß Art. 50 EU AI Act).

Evolution und Architekturen digitaler relationaler Datenbanken

Relationale Datenbanken sind das älteste noch produktiv dominierende Software-Paradigma der Datenhaltung — seit über fünf Jahrzehnten das Standard-System of Record. Diese Zeitachse ordnet die wichtigsten Architektur-Generationen chronologisch ein: vom relationalen Modell und den ersten kommerziellen RDBMS über die Open-Source-LAMP-Ära und die MVCC-Reife bis zur NoSQL-Herausforderung, den verteilten NewSQL-Systemen und der heutigen Serverless- und Postgres-Plattform-Ära.

Hinweis: Generationen überlappen sich

Die Zeiträume sind grobe Orientierung — PostgreSQL (Generation 2) wird bis heute aktiv weiterentwickelt und ist parallel zu jeder späteren Generation die meistgewählte Neuinstallation. Entscheidend ist die Architektur (Einzelknoten vs. verteilt, selbstbetrieben vs. serverless, Kern vs. Erweiterungs-Plattform), nicht allein das Erscheinungsjahr.


Generation 1: Das relationale Modell & erste kommerzielle RDBMS, 1970 – 1990

graph LR
    A["1a: Codds relationales<br/>Modell<br/>1970"] --> B["1b: System R & Ingres<br/>SQL / QUEL<br/>1974 - 1979"]
    B --> C["1c: Oracle, DB2, Informix<br/>SQL-Standardisierung<br/>1979 - 1990"]
  • Edgar F. Codd (1970): „A Relational Model of Data for Large Shared Data Banks" — Daten als Mengen von Tupeln, Zugriff über eine deklarative Sprache statt über Zeiger und Navigation.
  • System R (IBM) & Ingres (UC Berkeley), 1974 – 1979: die beiden ersten lauffähigen relationalen Prototypen — System R bringt SQL hervor, Ingres die Sprache QUEL und die Codebasis, aus der später PostgreSQL entsteht.
  • Oracle V2 (1979), DB2 (1983), Informix, Sybase: die erste kommerzielle Welle; SQL-86 und SQL-92 standardisieren die Abfragesprache.
  • Gemeinsamkeit: Einzelknoten-Architektur, ACID-Transaktionen, Sperren-basierte Nebenläufigkeit, proprietär und teuer.

Generation 2: Open-Source-RDBMS & die LAMP-Ära, 1994 – 2005

Relationale Datenbanken werden kostenlos, quelloffen und zum Standard-Unterbau des Webs:

System Jahr Herkunft & Lizenz
MySQL 1995 MySQL AB (Monty Widenius); GPL-2.0 + kommerziell — das „M" in LAMP
PostgreSQL 1996 (Postgres95) Fortführung des Berkeley-Ingres-Nachfolgers Postgres; permissive PostgreSQL-Lizenz
SQLite 2000 D. Richard Hipp; gemeinfrei — eine eingebettete Ein-Datei-Engine ohne Server
Firebird 2000 Quelloffene Abspaltung von Borland InterBase 6.0

Diese Generation etabliert das bis heute gültige Muster: eine relationale Datenbank ist eine Standardkomponente, keine Investitionsentscheidung.


Generation 3: MVCC-Reife, Replikation & Enterprise-Scale, 2005 – 2012

Die Open-Source-Systeme schließen funktional zu den kommerziellen auf:

  • Multiversion Concurrency Control (MVCC): Leser blockieren Schreiber nicht und umgekehrt — PostgreSQL und InnoDB (MySQL) machen es zum Standard.
  • Replikation: PostgreSQL bekommt Streaming-Replikation (9.0, 2010), MySQL etabliert Primary-Replica-Setups breit.
  • SQL:2003 Window Functions, Common Table Expressions, Tabellen-Partitionierung — analytische Abfragen ohne Zweitsystem.
  • MariaDB (2009): Abspaltung von MySQL nach der Oracle-Übernahme, ab 2012 von der MariaDB Foundation getragen.

Generation 4: Die NoSQL-Herausforderung & die relationale Antwort, 2009 – 2015

Dokument-, Key-Value- und Spaltendatenbanken (MongoDB, Cassandra, Redis) treten mit dem Versprechen horizontaler Skalierung und schemafreier Flexibilität an — „Polyglot Persistence" wird zum Schlagwort. Die relationale Welt antwortet, indem sie die Semi-Struktur absorbiert:

Antwort System Jahr
JSON-Datentyp PostgreSQL 9.2 2012
JSONB (binär, indizierbar) PostgreSQL 9.4 2014
JSON-Funktionen MySQL 5.7 2015
SQL:2016 JSON ISO-Standard 2016

Das Ergebnis: Für die meisten Workloads erübrigt sich die separate Dokumentdatenbank — eine relationale Datenbank speichert strukturierte und halbstrukturierte Daten in derselben Transaktion.


Generation 5: NewSQL & verteilte relationale Datenbanken, 2012 – 2020

Statt ACID für Skalierung aufzugeben, bauen diese Systeme horizontale Skalierung in ein relationales, transaktionales Modell ein — meist über einen verteilten Konsens-Algorithmus (Raft/Paxos) und automatisches Sharding:

System Jahr Ansatz
Google Spanner (Paper) 2012 Global verteilte, extern konsistente Transaktionen über TrueTime — proprietär, GCP-only
CockroachDB 2015 Spanner-Idee als betreibbares System, PostgreSQL-Wire-kompatibel
TiDB (PingCAP) 2016 MySQL-kompatibel, getrennte SQL- (TiDB) und Speicherschicht (TiKV) plus Placement Driver
YugabyteDB 2016 PostgreSQL-kompatibel, DocDB-Speicherschicht auf RocksDB
Vitess 2012 (Open Source) MySQL-Sharding-Middleware — der Skalierungs-Unterbau von YouTube, später Slack und GitHub

Generation 6: Serverless, Cloud-native & die Postgres-Plattform-Ära, 2017 – 2026

Zwei parallele Entwicklungen prägen die Gegenwart:

Trennung von Speicher und Rechenleistung: Die Datenbank skaliert Compute unabhängig vom Storage, pausiert bei Inaktivität und rechnet nach Nutzung ab.

System Jahr Basis
Amazon Aurora 2014/2017 verteilter Storage-Layer unter MySQL-/PostgreSQL-Kompatibilität — proprietär
Neon 2021 (GA 2023) serverloses PostgreSQL, Copy-on-Write-Branching; Apache-2.0 (2025 von Databricks übernommen)
PlanetScale 2018 serverloses MySQL auf Vitess, ab 2025 auch PostgreSQL — proprietärer Dienst

PostgreSQL wird zur Plattform: Statt eine neue Datenbank zu bauen, erweitert man PostgreSQL — pgvector für Vektorsuche, TimescaleDB für Zeitreihen, PostGIS für Geodaten, Citus für Sharding. Parallel erlebt SQLite eine Renaissance im Server-Betrieb (Litestream, LiteFS, libSQL/Turso; SQLite als Standard in Rails 8).

Bezug zu diesem Repository

Die aktuelle Werkzeuglandschaft vergleicht Beste relationale Datenbanken 2026 (Top 15), die konservativ gefilterte Fassung Produktionsreife relationale Datenbanken nach Generation.


Alternative Sortier- & Klassifikationskriterien

1. Betriebsarchitektur

  • Eingebettet / serverlos (In-Process) — SQLite, DuckDB, libSQL.
  • Einzelknoten-Server — PostgreSQL, MySQL, MariaDB, Firebird.
  • Verteilt (Shared-Nothing, Konsens-basiert) — CockroachDB, TiDB, YugabyteDB, Spanner.
  • Storage-Compute-getrennt / serverless — Aurora, Neon, PlanetScale.

2. Wire-Protokoll-Kompatibilität

  • PostgreSQL-kompatibel — PostgreSQL, CockroachDB, YugabyteDB, Neon, Aurora PostgreSQL.
  • MySQL-kompatibel — MySQL, MariaDB, TiDB, Vitess, Aurora MySQL, PlanetScale.
  • Eigenes Protokoll / eingebettet — SQLite, DuckDB, Firebird.

3. Lizenzmodell

  • Permissiv / gemeinfrei — PostgreSQL, SQLite.
  • Copyleft (GPL) mit kommerzieller Doppellizenz — MySQL, MariaDB.
  • Source-available / nicht-OSI — CockroachDB (seit 2019 BSL, seit 2024 CSL).
  • Proprietär / Managed-only — Oracle, DB2, Spanner, Aurora, PlanetScale.

🔗 Verwandte Themen

Hinweis: Diese Inhalte wurden mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell überprüft (Transparenzhinweis gemäß Art. 50 EU AI Act).